[…] Der größte Vorteil von SEPA ist meiner Meinung nach der größere Wettbewerb. Es scheint, dass die meisten meiner Zuhörer hier Vertreter von Unternehmen sind. Die Veränderungen werden Sie im Laufe der Zeit erkennen. So lassen sich die Dienstleistungen von Banken tatsächlich vergleichen, und Sie können sich auch an Banken im Ausland wenden. Es wird in diesem Bereich zu einer vorteilhaften Veränderung kommen.
Bereits ab diesem Jahr werden Sie eine schnellere Zahlungsabwicklung sowohl innerhalb von Deutschland als auch insgesamt in Europa bemerken. Ab November 2009 sollten alle Vorgänge nur noch einen Tag dauern, was der Zahlungsdiensterichtlinie entspricht. Wenn die Banken in irgendeinem Punkt Einwände haben, mag es langsamer vonstatten gehen – ich wüsste jedoch nicht, warum dies der Fall sein sollte. Außerdem wird es schnellere Expressüberweisungen geben.
Die wirklich großen Vorteile, die uns SEPA bringt, sind allerdings die neuen Normen. Es wird gemeinsame bankübergreifende Standards geben und gemeinsame Standards für die Kunden. Die üblichen Gemeinkosten auf Länderebene werden sinken, wenn wir verstärkt gemeinsame Systeme und gemeinsame Dienste einsetzen. Deshalb werden Sie Ihre Systeme besser direkt in die Banken integrieren können. Je schneller wir also SEPA zwischen Kunden und Banken zum Laufen bringen, desto zügiger werden wir diese Vorteile nutzen können.
Deshalb wird gerade jetzt sehr intensiv diskutiert, wann die derzeitigen Systeme der einzelnen Länder nicht mehr aktiv sein sollten. Wenn wir ein Auslaufdatum nennen könnten, würden sich einige Kunden schneller entscheiden, die SEPA-Systeme zu verwenden. Die Kosten wiederum würden sinken, weil die Banken nicht neben SEPA noch auf lange Zeit alte Systeme bereitstellen müssten. Die Europäische Kommission erhielt auf eine Befragung zum Thema Auslaufdatum mehrheitlich die Antwort, man würde eine dahingehende Regulierung bevorzugen.
Es ist eine spannende Frage, ob eine solche Regulierung erfolgen wird. Die Diskussion ist für Dezember 2009 angesetzt, und danach wissen wir, was die Finanzminister der einzelnen Staaten davon halten. Wenn es zu einem Auslaufen kommt, dann rechne ich eher für das Jahr 2013 oder 2014 damit, nicht für das kommende Jahr.
Die Kunden sind im Allgemeinen sehr an eSEPA interessiert, dem elektronischen SEPA. Hierbei integrieren Sie Ihre Systeme in die der Banken und senden alle Daten in elektronischer Form. Dazu gäbe es festgelegte Schnittstellen verwenden, also gemeinsame Standards auf der Grundlage dessen, was die Softwareanbieter zur Verfügung stellen. Es wird nur ein Zahlungsmodul geben, das in der gesamten Euro-Zone funktioniert. Es gäbe dann keine von Land zu Land verschiedenen Systeme mehr so wie heute.
Wenn Sie sich das Niveau der Elektronisierung ansehen, wie es heutzutage in Europa vorherrscht, liegen wiederum Finnland und die Niederlande sehr weit vorn. Deutschland hat einen hohen Automatisierungsstand, jedoch ist die Anzahl an elektronischen Transaktionen pro Einwohner sehr niedrig. Hier gibt es deutliche Möglichkeiten für einen weiteren Ausbau, um von Papier-Datenträgern den Schritt in Richtung elektronischer Schnittstellen zu machen.
Es gibt zwei Bereiche des Bankwesens, für die Normen erstellt werden müssen: zum einen für das Verhältnis zwischen den Banken untereinander und zum anderen für das zwischen Kunden und Banken. Um die richtig großen Vorteile nutzen zu können, muss die Beziehung zwischen Kunden und Banken zum Laufen gebracht werden. Die Banken wiederum müssen sich gegenseitig alle Daten übermitteln, die die Kunden brauchen, um Zahlungen effizient zu verwalten. Gemeinsame Standards sind die Grundlage dafür, dass das E-Payment insgesamt funktioniert und mit der gewünschten Effizienz verläuft. Deshalb brauchen wir eine große Anzahl an Normen.
Innerhalb solcher Länder, die sehr stark elektronisiert sind, wie zum Beispiel in Skandinavien, stehen den Zahlern alle Standards zur Verfügung. Wenn ein Zahler eine Überweisung ausführen möchte, eine Lastschrift oder eine E-Rechnung akzeptieren will, sendet er die erforderlichen Angaben direkt an seine Bank. Gleichfalls erhält er von dieser alle notwendigen Daten zu E-Rechnungen, Kartenzahlungen und Kontoauszügen. In Finnland beispielsweise können alle Unternehmen Kontoauszüge direkt in den Forderungsbereich integrieren wie auch in das Hauptbuch. Das geschieht tatsächlich.
Auf der Seite des Zahlungsempfängers sehen Sie das Gleiche: Sie erhalten umfangreiche Informationen von Ihrer Bank. Und sie senden ihrer Bank große Mengen an Daten. In Zukunft soll es dafür einen gemeinsamen Standard geben. Das ist die Grundlage für effizienten Zahlungsverkehr. Standards waren auch in anderen Branchen die Voraussetzung für Effizienz. So erhalten Sie heute, wenn Sie in Europa mit einem Flugzeug fliegen, ein elektronisches Ticket. Alle Flüge in Europa beruhen auf demselben elektronischen Ticketsystem. Dieses bieten den Unternehmen große Vorteile, und es funktioniert nur, weil es auf Normen beruht.
Deswegen: Gemeinsame Normen, wie sie jetzt im Rahmen von SEPA entstehen, sind die Grundlage all der Vorteile, die wir haben wollen – und die wir bekommen werden.